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Der historische Florian Geyer Die politische Situation 1525 Das Stück im Dritten Reich

Die politische Situation 1525

Mittelalter Adel Bauer

Das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation" (gegründet 962, aufgelöst 1806) war nur dem Namen nach eine Nation, wie wir sie heute verstehen. Dieses politische Gebilde war ein, von den fränkischen und später deutsch genannten Kaisern, zusammengeraubtes Gebiet vom Mittelmeer bis zum Atlantischen Ozean und zur Nordsee. In diesen Länden hatten sich, seit der Proklamierung des "Hl. Römischen Reiches Deutscher Nation" bedeutsame Wandlungen vollzogen. Die ursprünglichen Marktgenossenschaften waren zugunsten des Adels und des Klerus verdrängt worden. Der Feudalismus hatte sich durchgesetzt und zeigte seine ersten Zerfallserscheinungen. Seit dem 14. und 15. Jahrhundert nahm die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands einen bedeutsamen Aufschwung, die allerdings nicht mit der Entwicklung der umliegenden Länder Schritt hielt.


Die Bauern

Die Bauernschaft bildete die größte Gruppe der Bevölkerung. Die ehemals freien Bauern waren in Hörige und später Leibeigene verwandelt. Auf den Bauern lag die ganze Last der Feudalgesellschaft, Fürsten, Beamte, Adel, Pfaffen, Patrizier und Bürger. Die Bauern hatten von allen am meisten unter den feudalen Verhältnissen zu leiden. Die Unzufriedenheit war groß. Isolation und lokale Beschränkt-heit der Bauernschaft behinderten den Zusammenschluss und das gemeinsame Vorgehen.


Das Bürgertum

Aus den ursprünglichen Pfahlbürgern der mittelalterlichen Städte hatte sich eine städtische Oberschicht gebildet, die Patrizier, genannt die "Ehrbarkeit". Das waren die reichsten Geschlechter, die allein im Rat saßen. Sie beuteten die Städter wie die Bauern aus, waren also bürgerlich und feudal zugleich. Die Handwerker und Kleinbürger waren daran interessiert die Macht der Patrizier einzuschränken. Sie wollten selbst ein Mitsprache- und Entscheidungsrecht in der Stadt. Die Stadtarmut, die Plebejer, machten zwei Drittel der gesamten städtischen Bevölkerung aus. Neben den Städtebürgern hatte sich ein junges Handelskapital herausgebildet (v.a. die Familien Fugger und Welser).

Es lag im Interesse aller bürgerlichen Kräfte, die territoriale Zersplitterung der Territorien und die Leibeigenschaft zu beseitigen. Die Vertreter des Handelskapitals waren jedoch von den Fürsten abhängig und außerhalb der Städte selbst Grundherren. Eine Manufakturfabrikation konnte sich noch nicht entwickeln, da durch die Leibeigenschaft nicht genügend freie Lohnarbeiter zur Verfügung standen und sich kein nationaler Markt entwickeln konnte. Die Startchancen für einen deutschen Kapitalismus waren ungünstig.


Der Adel

Der hohe Adel war natürlich an der Erhaltung der bestehenden Zustände interessiert. An eine Stärkung der Zentralgewalt hatte er kein Interesse, da dies mit einer Einschränkung seiner Privilegien verbunden gewesen wäre. Der niedere Adel, die Ritter, gingen ihrem Verfall entgegen. Die Rekrutierung von Landsknechten, die Entwicklung der Feuerwaffen und die steigende Bedeutung von Artillerie und Infanterie, verringerte ihre militärische Bedeutung.

Deshalb kam es zur Herausbildung eines Raubrittertums. Diese Landplage erschwerte die Entwicklung des Handels und der Produktion.


Der Klerus

Der Klerus, als Träger des Katholizismus, der Ideologie des mittelalterlichen Feudalismus, hatte ebenfalls kein Interesse an einer Änderung der politischen Verhältnisse. Zudem war der Klerus selbst bedeutender Feudalherr. Die Erfindung des Buchdrucks und das Bedürfnis der Bürger nach Bildung griffen direkt das Bildungsmonopol des Klerus an.Innerhalb des Klerus gab es zwei Klassen. Der hohe Klerus als aristokratische Klasse war gleichzeitig weltlicher Machthaber.

Neben den weltlichen Machtmechanismen, fanden alle Schikanen der Religion, Schrecken der Folter, Bannfluch und religiöse Intrigen Anwendung. Zusätzlich bereicherte sich der Klerus durch den "Zehnten" und den Ablassschwindel. Der niedere Klerus besaß keinen Anteil an dem geschacherten Reichtum des hohen Klerus. Viele Angehörige des niederen Klerus solidarisierten sich später mit der revolutionären Bauernbewegung.

Fakten

Wie aus den wenigen gesicherten Fakten des Lebens dieses fränkischen Reichsritters hervorgeht, der um 1490 in Giebelstadt geboren und vermutlich am 9. Juli 1525 ermordet wurde, war Florian Geyer der Wortführer der fränkischen Bauern, die sich gegen ihre Herren der alten Lasten entledigen wollten. Die historische Überlieferung sieht ihn auf der Seite der politisch vorwärts drängenden Kräfte, die aber die Machtverhältnisse besser beurteilen als die unfähigen Bauernführer und fanatischen Prediger. Er führte mit seinem Waffenarsenal und Vermögen den Taubertäler Haufen und war in seiner "Schwaren Schar" auf Zucht und Ordnung bedacht. Den Odenwälder Haufen befehligte Georg Metzler, ein Gastwirt aus Ballenberg. Die Neckartaler wählten Jäcklein Rohrbach zu ihrem Hauptmann, der die Bluttat von Weinsberg anzettelte.

Zum ersten Male in der deutschen Geschichte ging es um soziale Veränderungen im bis dahin feudalistischen Staatsgefüge. Die Bauern standen - hörig oder leibeigen - am Ende der Gesellschaftshierarchie und versuchten nun, sich vom kirchlich abgesegneten Joch landesfürstlicher Willkür zu befreien. Luthers 96 Thesen trafen 1517 auf ein unruhiges Land. 1525 erfasste die Erhebung Franken. Ihre Forderungen legten die Bauern in zwölf Artikeln vor. Während die Stadt Würzburg dem Bauernbund beitrat, leistete der Fürstbischof von Würzburg, Conrad von Thüngen, entschiedenen Widerstand, was zu Belagerung und erfolglosem Sturm auf die Feste Marienberg durch die Bauernhaufen führte. Würzburg bedeutete die Wende der Erhebung. Vom Norden drangen inzwischen die Hilfstruppen der sächsischen Fürsten herbei, vom Süden zog der "Schwäbische Bund" unter dem Truchseß von Waldburg heran.

Im Tal zwischen Giebelstadt, Ingolstadt und Sulzdorf kam es an Pfingsten 1525 zur Schlacht, bei der an die 5000 ungenügend bewaffnete Bauern durch gepanzerte und berittene Landsknechte überrannt wurden. Die anschließende Einnahme Würzburgs am 8. Juni bildete den Auftakt für eine grausame Abrechnung des Adels in ganz Franken. Etwa hunderttausend Bauern und Bürger ließen 1525 ihr Leben. Der Fürstbischof befehligte persönlich eine ausgedehnte Strafexpedition. Zu Tausenden wurden Krüppel, Flüchtlinge und Vebannte auf die Straße verstoßen und ganze Landstriche entvölkert.

Georg Metzler verschwand spurlos. Jäcklein Rohrbach wurde gefasst und langsam zu Tode geröstet. Stephan von Mentzingen in Rothenburg enthauptet. Pater Ambros konnte zunächst im Steigerwald untertauchen, wurde aber 1528 als Wiedertäufer auf dem Würzburger Sanderrasen verbrannt.

Der historische Florian Geyer

Autor: Frank Osadca
der Ritter Florian Geyer aus Giebelstadt

Florian Geyer wurde 1490 in Giebelstadt geboren. Er stammt aus einem Adelsgeschlecht, das seit dem 13. Jahrhundert in diesem Ort ansässig war. Sein Vater war Dietrich Geyer, seine Mutter Anna von Seckendorf, Tochter des Sebastian von Seckendorf, Amtmann in Neustadt an der Aisch.
Sein Vater verstarb bereits 1492 und so übernahmen seine Vormunde Eberhard Geyer von Giebelstadt, sowie Christoph von Seckendorf seine Erziehung. Beide standen in den Diensten des Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. Aus seiner späteren Aufgabe kann man erschließen, dass sich seine Ausbildung nicht nur auf das Erlernen der Waffenkunst erstreckte, sondern auch auf Lesen und Schreiben und insbesondere auf die Kunst der Diplomatie. Unter seinen Zeitgenossen galt Florian Geyer daher „als militärischer Führer (....) [,] gewandter politischer Unterhändler und sehr geschickter Redner“ [1]. Aufgrund des ebenfalls frühen Todes seiner Brüder Balthasar (vor 1496) und Wilhelm Geyer (1512) erbte er einen stattlichen Besitz. Darunter befanden sich „die Hälfte vom Schloß Giebelstadt mit den dazugehörigen Einkünften zu Winterhausen und Sulzdorf“[2]. Des Weiteren besaß er Besitzungen, die in ganz Unterfranken verteilt waren.
Florian Geyer war allerdings nicht bereit, sein Leben als sesshafter Landedelmann zu führen. Dies zeigt sich daran, dass er Teile seiner Güter verkaufte. Stattdessen zog es ihn in die Ferne, denn er soll sich im Jahre 1513 auf einer Reise an den englischen Hof befunden haben, der zu dieser Zeit von dem jungen König Heinrich VIII. regiert wurde. Ob Geyer tatsächlich in England war, ist umstritten, da Heinrich VIII. sich zu dieser Zeit in Frankreich aufhielt, wo er, mit Kaiser Maximilian verbündet, Krieg gegen die Franzosen führte. Wahrscheinlicher ist, dass Geyer wie viele andere deutsche Ritter an diesem Krieg teilnahm, der im August 1513 „in der sogenannten Sporenschlacht bei Guinegate“[3] zugunsten des englischen Königs entschieden wurde.
Nach seiner Rückkehr kommt es zwei Jahre später zu einem Streit zwischen Florian Geyer und dem Würzburger Stift Neumünster, der auf einer Forderung des Stifts aus dem Jahr 1160 basiert. Sie verpflichtete die Geyers dazu „eine bestimmte Getreidegült und Zins zu entrichten“[4], da diese mit Giebelstädter Gütern belehnt worden waren. Das Adelsgeschlecht kam jedoch dieser Forderung nicht nach und eine Klage des Stifts hatte ebenfalls keinen Erfolg. Darauf verhängte die Kirche über Geyer die Exkommunikation. Diese kirchliche Verbannung war für ihn aber ohne jede politische oder wirtschaftliche Wirkung und veranlasste ihn wohl auch nicht zu einer innerlichen Distanzierung von der Kirche.
In den darauffolgenden Jahren stand der „tüchtige Kriegsmann“[5] unter anderem in den Diensten des Markgrafen Kasimir von Brandenburg-Ansbach und später auch bei dem Hochmeister des Deutschen Ordens, Albrecht von Preußen.
Als der in Schwaben entstandene Bauernaufstand 1525 auch nach Franken übersprang, stellte sich Geyer auf die Seite der aufständischen Bauern und wurde ihr Wortführer. Zeugnis hierfür ist ein Brief vom 18. April 1525 des Grafen Georg II . von Wertheim, in dem er schreibt, dass ihm aus glaubwürdiger Seite mitgeteilt worden ist, dass „bey der versammlung ytzt an der Tauber gelegen zu oberstem hauptmann angenommen sei“[6]
Bei militärischen Auseinandersetzungen war Geyer nicht an vorderster Front zu finden, da sich seine Aufgaben auf diplomatische Tätigkeiten beschränkten. Durch seine Vermittlung gelang es, sowohl Tauberbischofsheim und die restlichen neun Städte im Mainzer Stift für ihre Sache zu gewinnen, als auch die Würzburger Gemeinde und den Stadtrat von Rothenburg dazu zu bewegen, sich dem Aufstand anzuschließen und ihn zu unterstützen. Nach zwei verheerenden Niederlagen der Bauern am 2. Juni an der Tauber und am 4. Juni bei Ingolstadt gegen Truppen des Schwäbischen Bundes war der Aufstand zerschlagen. Bauernführer Geyer wurde beim anschließenden Versuch sich gen Norden in Sicherheit zu bringen, am „9. Juni 1525 im Gramschatzer Wald in der Nähe des Schlosses Rimpar von den Knechten Wilhelms von Grumbach erstochen und beraubt“[7].
Ob Florian Geyer mit Elisabeth von Grumbach verheiratet war, wie es in Nikolaus Fey`s Theaterstück gezeigt wird, ist aus zuverlässigen Quellen nicht zu erschließen.


[1] W. Benkert: Der historische Florian Geyer, S. 2
[2] W. Benkert: Der historische Florian Geyer, S. 2
[3] W. Benkert: Der historische Florian Geyer, S.3
[4] W. Benkert: Der historische Florian Geyer, S.3
[5] W. Benkert: Der historische Florian Geyer, S.8
[6] H. Barge: Florian Geyer - Eine biographische Studie, S. 17
[7] W. Benkert: Der historische Florian Geyer, S. 28

Die Festspiele im Dritten Reich

Aufführungspraxis von 1933 - 1939

Autor: Frank Osadca

Wie es im totalitären System der Nationalsozialisten üblich war, strebten diese nach der völligen Kontrolle, selbst über das kulturelle Leben. Demzufolge wurde auch die Reichskulturkammer, die der staatlichen Erfassung aller kulturellen Bereiche diente, eingerichtet. Auf den unteren Ebenen wurden hierfür spezielle Landesstellen geschaffen, die natürlich auch Freilichtspiele erfassten, da diese aufgrund der Nähe von Bühne und Publikum besonders gut für propagandistische Maßnahmen geeignet waren. Die suggestive Wirkung auf das Publikum und die großen Zuschauerzahlen boten den Nazis ideale Schauflächen für ihre kulturelle Propaganda. Deshalb wurden Freilichtspiele besonders gefördert und sogar 18 Freilichtstätten als ‘reichswichtig’ erklärt.

Schauspieler der Freilichtspiele


Die Aufmerksamkeit der unterfränkischen Parteileitung richtete sich selbstverständlich auch auf die Festspiele in Giebelstadt, welche daraufhin eine Betonung erfuhren, die sich schon äußerlich in der Aufmachung des ‘Schauplatzes’, aber auch sonst im Dorf niederschlug. „Unter neuem Zeichen wurden heuer die Giebelstädter Festspiele eröffnet: nicht nur von den Häusern des Dörfleins, sogar vom Turm der Geyerschen Schloßruine herab weht das Hakenkreuzbanner. Das sechsseitige Programm des Spieles schmückt allseitig dasselbe Zeichen. SA-Leute empfangen die Gäste und halten Ordnung. Eine SA- Musikkapelle spielt vor Beginn schneidige Märsche und Volkslieder.“

Der Einfluss der Partei zeigte sich nicht nur durch das Hissen der Hakenkreuzfahnen, sondern auch bei der Neuausrichtung der Werbung für die Festspiele. In diesem Rahmen beschlossen der Giebelstädter Bürgermeister und Ortsgruppenleiter der NSDAP, Otto Scheer, Gauleiter Dr. Otto Hellmuth, Würzburgs Oberbürgermeister und Mitglieder des Festspielausschusses, nachdem sie Inhalt und Propaganda des Festspiels studiert hatten „aus dem Fest- und Freiheitsspiel ein ’Frankenspiel’ zu machen“, welches alle Franken ansprechen sollte. Hierbei wird deutlich, dass Giebelstadt künftig eine ganz besondere Rolle zukam, wie sie zuvor in den Zwanzigerjahren nur die Heimatspiele zu Kiliani innehatten. So wurde nach 1933 das Giebelstädter Festspiel anstelle von Kiliani unter dieses Motto gestellt.

Die Aufführungen fanden alljährlich zu Pfingsten statt, wobei die genaue Anzahl dieser nicht festgelegt war, da bei besonderen Ereignissen Sondervorstellungen gegeben wurden.

Genaue Besucherzahlen kann man nicht erschließen, da meist nur von „Hunderten und aber Hunderten“ die Rede war. Bei Sonderaufführungen wie zum Beispiel am 8. Juli 1934, beim Besuch von Reichsbauernführer und Reichsminister Darre’, wird sogar von bis zu 6000 Besuchern gesprochen, bei einer damals viel kleineren Ortsgröße: „Das Haus war brechend voll und bei einer Bruthitze wurde das Spiel vor feinem hohen Gast und 6000 Menschen vorgetragen“.

Aufführung mit Pferd


Dass solch hohe Besucherzahlen überhaupt möglich waren hat unterschiedliche Gründe. Zum einen wurden durch den Verkehrsverein Würzburg Bus- und Autoverbindungen zu den Aufführungen organisiert. Eine weitere Ursache lag sicherlich auch in der technischen Verbesserung durch das Aufstellen einer Lautsprecheranlage, die die Attraktivität und Qualität der Aufführung deutlich erhöhte. Der Hauptgrund lag aber wohl darin, dass Vereine, Verbände und Parteigliederungen systematisch zum Besuch der Giebelstädter Freilichtspiele verpflichtet wurden. Diese Verpflichtung galt insbesondere für Parteigenossen. In einer Anordnung der NSDAP-Kreisleitung Würzburg-Land wird zu einer Mund-zu-Mund Propaganda für die Aufführungen aufgerufen und vor allem wird „aus den Kreisen der Parteigenossen eine rege Beteiligung erwartet“.

In gleichem Maße wurden auch Besucher aus dem Ausland und Gruppen aus anderen Reichsgebieten zum Besuch der Festspiele eingeladen. So waren 1938 beispielsweise auch Besucher aus der wenige Monate zuvor angeschlossenen ‘Ostmark’ anwesend.

Die letzte Aufführung fand am 29. Mai 1939 statt. Dann wurden die Festspiele kriegsbedingt eingestellt, allerdings wurden 1941 und 1949 zum Todestag Geyers Weihestunden in der Ruine abgehalten.